Geschichte

Geschichte

Die Förderung des MINT-Nachwuchses (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) hat in Südwürttemberg eine fast 30 jährige Geschichte. Rudolf Lehn, Leiter des SFZ-Südwürttemberg, fördert seit Beginn seiner Schullehrerlaufbahn im Jahre 1977 Schüler mit besonderem Interesse an Physik außerhalb des normalen Unterrichts. Er bot für interessierte Schüler Physik-Arbeitsgemeinschaften an. Im Laufe der Zeit musste er zur Kenntnis nehmen, dass auch bei größtem Engagement schulinterne Physik-AGs auf hohem Niveau nicht auf Dauer gelingen können.  Es bedarf einfach einer sehr viel größeren Schülerklientel, um eine solche Physik-AG erfolgreich zu führen. Deshalb richtete er in Absprache mit dem Oberschulamt Tübingen eine schulübergreifende Physikarbeitsgemeinschaft am Welfengymnasium in Ravensburg und später am Keplergymnasium in Ulm ein. 

 

  • 1977 bis 1990 am Störck-Gymnasium in Bad Saulgau
  • 1991 bis 1994 schulübergreifend am Welfengymnasium in Ravensburg
  • 1995 bis 1998 schulübergreifend am Keplergymnasium in Ulm

 
 

Basis seiner Förderung war damals das Auswahlverfahren der Internationalen Physikolympiade, kurz IPhO genannt. Die Aufgaben der Auswahlverfahren zur IPhO sind aus verschiedenen Gründen hervorragend zur Förderung interessierter, leistungsstarker und begabter Jugendlicher geeignet. Die Aufgaben sind zu einem großen Teil aus der klassischen Physik. Die meisten Aufgaben verlangen keine Hochschulmathematik oder Hochschulphysik, da meist mit entsprechenden Vereinfachungen vorgegangen werden darf. Dennoch lernen die Teilnehmer an den Auswahlverfahren zur IPhO im Laufe der Zeit verschiedene Werkzeuge der Mathematik und Physik kennen, wie sie später an der Hochschule eingesetzt werden.

Die Erfolge der Förderung in den Physikarbeitsgemeinschaften blieben nicht aus. Viele AG-Teilnehmer erreichten die 2., 3. oder 4. Runde im Auswahlverfahren der IPhO. Carsten Geckeler vom Störck-Gymnasium nahm als 10. Klässler schon an den Physik-AGs teil. Bereits in der 11. Klasse wurde er Mitglied in deutschen IPhO-Team und errang bei der IPhO in Williamsburg 1991 eine Silbermedaile.

 

In den beiden folgenden Jahren 1992 (Peking/China) und 1993 (Canberra/Australien) erhielt Carsten jeweils ein Goldmedaille. Diese Erfolge wurde im Störck-Gymnasium mit einem besonderen Event gefeiert, mit "Tagen der Physik". Mehr als 5000 Leute besuchten dieses Schulfest und nahmen an den Physikwerkstätten und am Physikexploratorium teil.

In den Folgejahren entdeckte Rudolf Lehn einen neuen Wettbewerb, das International Young Physicists' Tournament (IYPT). 1995 nahm zum ersten Mal ein deutsches Team teil und wurde auf Anhieb Sieger des Turniers. Auch in den Folgejahren waren die deutschen IYPT-Teams meistens im Finale. Dieses IYPT spielte schließlich die Schlüsselrolle bei der Gründung des Schülerforschungszentrums Südwürttemberg (SFZ) in Bad Saulgau.

 

Als 1999 beim 12. IYPT in Wien wieder mal ein deutsches Schülerteam ins Finale kam und sogar Sieger des Turniers wurde, erreichte Rudolf Lehn einen Anruf von Dr. Dreisigacker, Geschäftsführer der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung. Das Kuratorium der Stiftung hatte beschlossen, Jugendliche bereits vor Beginn des Studiums für die Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Rudolf Lehn schlug Dr. Dreisigacker vor, ein Schülerforschungszentrum (SFZ) einzurichten. Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung mit schulübergreifenden Physik-AGs war Rudolf Lehn überzeugt, dass die Jugendlichen die SFZ-Plattform gerne annehmen. Seine Erfahrung wurde bestätigt. Neben der Stiftung mussten noch weitere Partner ins SFZ-Boot geholt werden. Die Stadt Bad Saulgau, das Oberschulamt, das Kultusministerium, ... Die Türen standen überall weit offen, war doch hinlänglich bekannt, dass dringend etwas gegen den Nachwuchsmangel in den Naturwissenschaften und in Technik unternommen werden musste.

 

Jeden Freitagnachmittag „fluteten“ Jungforscherinnen und Jungforscher die naturwissenschaftlichen Fachräume des Störck-Gymnasiums in Bad Saulgau. Der Toleranz des Lehrerkollegiums, vor allem der Fachlehrer in den Naturwissenschafte, war es zu verdanken, dass das SFZ im Störck-Gymnasium über einige Jahre seine Wiege haben konnte. Dennoch war immer mehr deutlich geworden, dass mit dem SFZ-Betrieb der normale Unterricht mehr und mehr beeinträchtigt wurde. Für aufwändige SFZ-Experimente musste teilweise der Physiksaal mehrere Tage lang gesperrt werden. Zwischendurch rief beim AG-Leiter die Polizei an und wollte wissen, ob tatsächlich mitten in der Nacht Jugendliche im Störck-Gymnasium hausen dürfen. 

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